Leserbrief (Statement der Freunde des Spessarts) zum ME Bericht „Kein Nationalpark durch die Hintertür“, ME – Miltenberg vom 7.11.2022

„Eigentlich ein Argument für ein Biosphärenreservat (BSR), nicht eines dagegen“

Im genannten Bericht wird die Sorge geäußert, dass die Ausweisung eines BSR eine Einschränkung bei der Erschließung neuer Trinkwasserquellen darstellen könnte. Die Sorge um die künftige Trinkwasserversorgung im Zuge der sich verschärfenden Klimakrise teilen wir. Dem angedachten Lösungsweg können wir uns aber nicht anschließen. Eine nachhaltige Sicherung unseres Trinkwassers ist nicht möglich, in dem man neue Löcher im Spessart bohrt. Es ist stattdessen dafür zu sorgen, dass sich weiterhin genügend neues Grundwasser bilden kann. Es lässt sich grundsätzlich nur so viel Wasser abpumpen, wie von oben wieder nachsickert.

Unser Wald ist unser bester „Grundwasser-Produzent“. Wir müssen dafür sorgen, dass seine Fähigkeiten nicht eingeschränkt werden. Rückegassen, die den Boden verdichten, zerstören seine „Schwammfähigkeit“. Harvesterspuren senkrecht die Hänge hinunter sind „Wasserautobahnen“, auf denen das Wasser bei Starkregen schnell aus dem Wald abgeleitet wird und nicht versickern kann. In den künftigen Kernzonen des BSR gibt es diese Einschränkungen gar nicht mehr. Diese Flächen werden in der Zukunft die optimalen Wasserproduzenten darstellen. Bei einem Anteil von lediglich 3% der Gesamtfläche ist dies natürlich zu wenig. Aber es gibt im BSR ja auch noch Pflege- und Entwicklungszonen, die deutlich größere Flächenanteile einnehmen müssen. Auch da lässt sich die Wasseraufnahmefähigkeit verbessern durch eine schonendere Forstwirtschaft. Ein BSR gibt uns hier viel bessere Werkzeuge an die Hand als wenn wir im Spessart so weitermachen wie bisher.
Insofern ist die langfristige Sicherstellung unserer Trinkwasserversorgung ein Argument für ein BSR und nicht ein Argument gegen ein BSR.

Dr. Bernd Kempf,
Vors. Freunde des Spessarts e.V.

 

Eingereicht am 12.11.2022 ans Main Echo