Waldwirtschaft

Die im Herbst 2018 aus Saat hervorgegangene Eichenkultur liegt in der Waldabteilung Geldloch des Forstbetriebs Rothenbuch. Sie zeigt auf typische Weise die seit zwei Jahrhunderten angewandte Methode der Eichennachzucht im Spessart. Zur Vorbereitung der ca. 2,5 Hektar großen Kultur wurde ein überwiegend aus Buche bestehender Altbestand bis auf wenige Überhälter kahlgeschlagen und das Holz wie üblich verwertet. Die übrig gebliebenen Äste der Baumkronen wurden von der Fläche geräumt und der Boden mit einem Scheibenpflug bearbeitet. Danach wurden die Eicheln in die Pflugriefen gesät und die Kultur mit einem Zaun vor dem Wild geschützt.

Es ist ein legitimer Anspruch der Forstwirtschaft und in Zeiten des Klimawandels sogar eine Notwendigkeit, die heimische Spessarteiche auch künftig in die Wälder zu integrieren. Dies muss jedoch auf eine naturverträgliche Art und Weise geschehen. Machen Sie sich anhand des gezeigten Beispiels selbst ein Bild und finden Sie nähere Hintergründe hier.

Des Weiteren machen wir darauf aufmerksam, dass diese Eichenkultur ausgerechnet in dem Waldbereich „Röhrweg“ bei Rothenbuch angelegt wurde, der nach dem Vorschlag verschiedener Natur- und Umweltverbände in einen Biotopverbund für Naturwaldentwicklung integriert werden sollte  https://www.freunde-des-spessarts.de/karte_naturwald/. Sollten auch künftig ähnlich starke Eingriffe innerhalb dieses Biotopverbundes stattfinden, so würden gerade die ökologisch hochwertigsten Waldbereiche Stück für Stück verloren gehen.

 

Der heiße Sommer 2018 und die daraus resultierenden Dürreschäden im Wald hat der Dringlichkeit der Aufgabe unseren Spessartwald zu schützen eine scharfe Brisanz gegeben.

Die Verbände teilen die Ansichten der behördlichen Waldschützer, dass die Entwicklung so dramatisch werden kann, dass in manchen Waldbereichen der Aspekt der Holznutzung zunehmend in den Hintergrund treten wird, wie z.B. AELF-Chef Angerer im Leitartikel „Waldbäume sterben in großer Zahl ab“ des Mainecho am 7.7.19 feststellt. Die „Gemeinwohl-Funktionen“ des Waldes wie Wasserspeicher, Klimapuffer und Erholungsraum sind ohnehin viel wichtiger als der Holzeinschlag. Um diese zu bewahren, bringen die Verbände ein sofortiges Einschlagmoratorium für ausgewählte Waldbereiche des Spessarts in die Diskussion.

Die Begründung für das Einschlagmoratorium ist ganz einfach: Geschlossene, dichte Buchenwälder, wie sie unter den heutigen Bedingungen bei uns ohne Waldwirtschaft entstehen würden, haben eine viel bessere Widerstandskraft gegen heiße trockene Sommer als Wirtschaftswälder. Ihr Blätterdach ist so dicht, dass fast kein Sonnenstrahl bis auf den Boden dringt. Der Schatten und die Verdunstung der Bäume bewirken eine deutliche Temperaturabsenkung gerade an heißen Tagen. Ganz anders der Wirtschaftswald. Der Stil der Waldbewirtschaftung setzt unsere Wälder erheblichem Stress aus. Zu nennen sind hier insbesondere starke Durchforstungen, die das Kronendach des Waldes durchbrechen. Das Sonnenlicht fällt dadurch bis auf den Waldboden, heizt diesen auf und trocknet ihn aus. Das von Natur aus feuchte Waldinnenklima geht verloren.

Wie massiv der Gegensatz „Lichteinfall statt Halbschatten“ ausfällt, lässt sich aktuell z.B. gut im Bereich des Naturwaldreservates Kreuzbuckel östlich von Bessenbach ansehen. Der ca 150-jährige Buchen- und Eichenwald ist seit 1998 aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen. An der Nordost-Seite (in Richtung Autobahn) wird dieses Gebiet talseitig durch einen Forstweg vom „normal bewirtschafteten“ Wald abgegrenzt. Dort fand im letzten Jahr wieder ein Einschlag statt. Wenn man nun entlang dieses Weges wandert, so hat man oberhalb den Naturwald und unterhalb den Wirtschaftswald vor seinen Augen. Die unterschiedliche Atmosphäre in diesen beiden Waldbereichen ist augenfällig. Unterhalb des Weges oft gleißende Helle, oberhalb milder, kühler Halbschatten.

Machen Sie sich selbst ein Bild und wandern oder radeln Sie am besten an einem hellen Sonnentag entlang dieses Waldbereiches. Es ist sehr schwierig mit Fotos den Helligkeitsunterschied so einzufangen, wie man ihn in der Realität empfindet. Die Fotos (Bildquelle: Heiko Würth, Greenpeace) geben aber einen ersten Eindruck. Bergauf vom Weg ist immer der Naturwald, talseitig vom Forstweg ist der Wirtschaftswald. Durch die Panoramaaufnahme, montiert aus mehrere Einzelfotos, wird versucht, die Situation noch klarer zu beschreiben. 

Die komplette PM zu diesem Thema finden Sie hier.



Spätestens seit dem Dürresommer im Jahr 2003 warnen immer mehr Forstwissenschaftler vor Waldbeständen mit dominierender Fichte in unserer Region. Diese Baumart gilt als extrem anfällig im trockener und wärmer werdenden Klima. Auch von der Kiefer wusste man damals schon, dass sie als Baumart nordischer Klimaregionen mit extremen Hitzesommern Probleme haben wird. Deshalb gibt es für die Forstwirtschaft seit rund 20 Jahren kaum ein brennenderes Thema als der Waldumbau hin zu klimatoleranten Mischwäldern aus vorwiegend heimischen Laubbäumen. Im Privat- und Kommunalwald fördert der Bayerische Staat diese Zielsetzung seit vielen Jahren mit inzwischen mehreren hundert Millionen Euro. Im eigenen Wald, dem Staatswald, geht man offenbar wie selbstverständlich davon aus, dass die Bediensteten das Richtige tun. Jedoch weit gefehlt, wenn man glaubt, dass dies überall so wäre!

Ein Presseartikel im Main-Echo vom 17.03.2008 berichtet von einem Waldbegang der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg, bei dem genau dieses Thema behandelt und schwerwiegende Defizite im Forstbetrieb Heigenbrücken kritisiert wurden. Ganze Hangflanken waren damals mit Naturverjüngung aus vorherrschendem Nadelholz bedeckt, ohne dass Laubhölzer dazu gepflanzt worden wären.

Wie nicht anders zu erwarten, wies der damalige Forstbetriebsleiter die Vorwürfe der Naturschützer entschieden zurück. In einem Schreiben an 23 Bürgermeister im Spessart äußerte er sich zu den hohen Einschlägen im Nadelholz mit folgenden Worten: „Wir verringern den Nadelholzvorrat gezielt (red. Anm.: gleichbedeutend mit Übernutzung der Fichtenbestände), um die heimischen Wälder für den Klimawandel fit zu machen. Dem gleichen Ziel dient auch die seit Jahrzehnten geübte Einbringung von Laubholz in vom Nadelholz dominierte Bestände.“

Heute müssen wir mit großer Ernüchterung feststellen, dass nach eigener Einschätzung die bis zu 20 Jahre alte Waldverjüngung im Forstbetrieb Heigenbrücken zu weit über der Hälfte aus Nadelholz mit hohen Fichtenanteilen besteht. Niemals in der Zeit zuvor gab es prozentual in dieser Altersklasse so viele Fichten.

Daraus folgt, dass die älteren Fichtenbestände zwar gewinnbringend übernutzt, aber im Gegenzug keine adäquaten Investitionen zum Aufbau laubholzreicherer Mischwälder getätigt wurden. Nach allem, was wir heute wissen, werden noch unsere Enkel den Zusammenbruch dieser Katastrophenwälder erleben.

Nähere Details dazu finden Sie auch hier.

Auf der Übersichtskarte zeigen wir Ihnen nahe an öffentlichen Straßen gelegene, repräsentative Waldbereiche, in denen Sie sich über die beschriebene Situation im Forstbetrieb Heigenbrücken selbst ein Bild machen können (rosafarben eingezeichnete Waldabteilungen). Wir verbinden damit die Hoffnung, dass vor dem Hintergrund der aktuellen Waldkrise (Waldsterben 2.0) entschiedene Schritte zum Aufbau gesunder und stabiler Laubmischwälder eingeleitet werden.

Wo bisher Nadelholz war, wächst auch wieder Nadelholz nach: