Leserbrief zu Artikel im Mainecho 23.2.2019: „Artenretten auch ohne eigenen Garten“

Eingereicht an Mainecho: 25.2.2019

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bürgerbewegung Freunde des Spessarts hat sich aktiv für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eingesetzt, da der Erhalt und die Wiederherstellung der Artenvielfalt für unser Land von essentieller Bedeutung ist. Dies betrifft alle Lebensräume, die Agrarlandschaft, die Siedlungsräume und auch den Wald.

Grundsätzlich begrüßen wir daher jede Initiative, die zu einer Verbesserung der Lebenssituation der Insekten führen kann. So auch die Idee des Landwirts Markus Link aus Mönchberg. Zwei Anmerkungen zu seiner Initiative seien jedoch gestattet:

1) Für 50€ pro Jahr bietet er an, 100m² seiner landwirtschaftlich genutzten Fläche in eine Blühfläche zu verwandeln. Nun hat 1 ha eine Fläche von 10.000m². Herr Link käme also damit also in den Genuss von 5000€ pro ha. Das erscheint doch etwas hoch gegriffen. Die durchschnittliche Weizenernte in Bayern liegt bei ca 7 Tonnen pro ha /1/. Bei einem Weizenpreis pro Tonne von ca 180 – 190€ /2/ kommt man damit auf einen Umsatz von unter 2000€ pro ha, von dem noch alle Kosten zur Weizenproduktion abzuziehen wären.

2) Herr Link beklagt, dass die Initiatoren des Volksbegehrens „… ungeniert fordern, dass die Bauern auf einen Teil ihrer Wirtschaftsfläche verzichten sollen“. Er erwähnt aber nicht, dass Landwirte bereits heute vor allem über die EU umfangreiche Subventionen erhalten /3/. Für die gesamt EU liegen diese bei 58 Mrd pro Jahr, für Deutschland bei ca 6 Mrd. Durchschnittlich sind dies dann 408€ pro ha. Diese Zahlungen sind auch mit Umweltanforderungen verknüpft. Insofern hat die Gesellschaft durchaus ein Anrecht für diese Zahlungen eine gewisse Gegenleistung von der Landwirtschaft zu erwarten. In der EU-Datenbank /4/ gibt es ausführliche Infos, welche Anforderungen damit verknüpft sind. Außerdem sind hier die Zahlungen für alle Subventionsempfänger einzeln nach Subventionstopf aufgegliedert. Eine Suche nach „Link“ in Mönchberg liefert zwei Einträge, die vermutlich zum gleichen Bauernhof gehören. Sie summieren sich auf ca 50.000€ pro Jahr.

Dr. Bernd Kempf

1. Vorsitzender BB FdS

/1/ Weizenertrag pro ha

/2/ Weizenpreis pro Tonne

/3/ 408€ pro ha ist die durchschnittliche Subvention lt. Spiegel

/4/ https://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche

Reaktion der Medien: am 3.4.2019 erschien der Leserbrief im Main Echo